Zahlen: 41,4 Millionen Wohnungen für 82,2 Millionen Einwohner

Statistisch und theoretisch gibt es genug Wohnungen in Deutschland: Die Bundesrepublik hatte 2015 rund 82,2 Millionen Einwohner; denen standen 41,4 Millionen Wohnungen zur Verfügung. Wenn sich immer zwei Menschen eine Wohnung teilen, reicht der Bestand also, ist sogar ein wenig größer. „Aber mit diesen Zahlen verhält es sich so wie mit der Geschichte des Statistikers, der ertrank, weil er durch einen Fluss waten wollte, der im Durchschnitt nur einen Meter tief war“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.
Um aus den Zahlen richtige Schlüsse zu ziehen, werden weitere Angaben gebraucht. Zum Beispiel vollzieht sich seit vielen Jahren eine Tendenz zu kleineren Haushalten. Im Jahr 2014 bildeten jeweils 2,01 Personen rechnerisch einen Haushalt, während es im Jahr 1991 noch 2,27 Personen gewesen waren. Die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte steigt kontinuierlich, während die der größeren Haushalte zurückgeht. Ergebnis: Immer mehr Haushalte brauchen immer mehr Wohnungen. Diese Tendenz ist in den Städten deutlich ausgeprägter als auf dem Land. Zudem sorgt der große Zuzug in den Städten dafür, dass noch mehr Wohnungen gebraucht werden. In jedem Jahr ziehen etwa 3,5 bis 4 Millionen Menschen innerhalb Deutschlands um. Entscheidende Faktoren dafür sind neben den persönlichen Gründen wie Partnerschaft oder Familiengründung die regionalen Arbeits- und Bildungsmärkte aber auch die Verkehrsanbindung der Wohnorte.
„Es gibt also genug Wohnungen, aber nicht am richtigen Ort. Während auf dem Land Leerstände entstehenden, fehlen Wohnungen in den wachsenden Städten. Die Veränderungen in der Bevölkerung vollziehen sich derzeit schneller als der Bau von Wohnungen. Das ist das Problem“, weiß Michael Fehr.