Wohnungsbau in Deutschland gespalten

Von Januar bis Juni 2015 wurde in Deutschland der Bau von 140.400 Wohnungen genehmigt. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2,6 Prozent oder 3.600 Wohnungen mehr als im ersten Halbjahr 2014. Die seit dem Jahr 2010 anhaltende, positive Entwicklung von Baugenehmigungen für Wohnungen setze sich damit weiter fort, berichtet das Amt.
Allerdings gehe der Wohnungsbau in Deutschland am Bedarf vorbei, rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln nüchtern vor: Während Deutschlands Städte boomen, veröden viele ländliche Regionen zusehends. In den Metropolen wird zu wenig gebaut, in einigen Landkreisen gibt es dagegen schon jetzt zu viele Neubauten, sagen die Wirtschaftsforscher. 245.000 Wohnungen entstanden im vergangenen Jahr in Deutschland. Davon entfielen nur 66.000 auf Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Benötigt würden dort aber fast 50 Prozent mehr, nämlich 102.000. Allein in Berlin müssten bis 2020 pro Jahr etwa 20.000 neue Wohnungen bezugsfertig werden. Tatsächlich waren es 2014 aber nur 8.744. In einigen ländlichen, strukturschwachen Kreisen wie der Eifel, dem Schwarzwald oder weiten Teilen Ostdeutschlands gibt es zu viele Wohnungen, die nicht benötigt werden.
„Wohnungsbau stellt in attraktiven Universitätsstädten wie Heidelberg, in denen die Bevölkerung wächst, das wirksamste Mittel gegen steigende Mieten dar“, ergänzt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.