Wie die Politik den Wohnungsmarkt entlasten könnte

„Der Beginn einer neuen Legislaturperiode ist ein guter Zeitpunkt, um politische Ziele zu definieren. Eine vordringliche Aufgabe ist die zukünftige Wohnungspolitik, denn rund 80 Prozent der deutschen Großstadtbewohner sind mit angespannten Wohnungsmärkten konfrontiert“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.
Derzeit werden mehrere Ansätze diskutiert, die zu einer Entlastung des Wohnungsmarktes führen können. Der Expertenkreis „Zukunftsfragen der Bodenpolitik“ des Deutschen Instituts für Urbanistik fordert eine Stärkung der Kommunen, um verlorengegangene Steuerungskraft zurückzugewinnen. Außerdem empfehlen die Experten neue Modelle der Besteuerung.

• Die Grundsteuer sollte durch eine Bodenwert- und Bodenflächensteuer ersetzt werden, um die Bebauung baureifer Grundstücke zu forcieren.
• Bei der Grunderwerbsteuer sollten Käufe, die im Interesse der Allgemeinheit stattfinden, begünstigt werden. Ähnlich argumentiert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, IW. Die hohe Grunderwerbsteuer verhindere Neubauten. Das IW empfiehlt, die Grunderwerbsteuer zu reformieren. Für private Neubauten könnte sie entweder ganz entfallen, wie in den Niederlanden, oder pauschal auf ein Prozent sinken. Um private Haushalte beim Wohneigentumskauf zu entlasten, könnte die Politik ein Stufenmodel nach britischem Vorbild einführen.

• Das IW empfiehlt zudem die Erhöhung und Dynamisierung des Wohngeldes, das im Gegensatz zur sozialen Wohnraumförderung, „treffsicher” sei.

• Kommunen könnten zusätzlich durch den Kauf von Belegungsrechten im Bestand Haushalten mit geringem Einkommen den Zugang zum Wohnungsmarkt erleichtern.
• In Kommunen, die einen Bevölkerungsrückgang verzeichnen, könnten durch bessere Verkehrsanbindungen neue und bezahlbare Quartiere entstehen und die Großstädte entlasten.
Alle Maßnahmen erfordern eine bessere Verzahnung der beteiligten Akteure aus Bund, Ländern und Kommunen einerseits und privaten Wohnungsunternehmen bzw. Wohnungseigentümern anderseits.