Wer darf eigentlich das Grundbuch einsehen?

Grundsätzlich darf jeder, der ein berechtigtes Interesse darlegen kann, in das Grundbuch einsehen. Das trifft selbstverständlich auf Notare und Rechtsanwälte in Ausübung ihres Berufes zu. Auch ein öffentliches Interesse kann zur Einsicht berechtigen. Aus diesem Grund dürfen publizistisch tätige Medien ebenfalls in Grundbuch und Grundakten einsehen, jedoch nur, wenn ein presserechtliches Interesse nachgewiesen wird. Das kann auch bereits eine Recherche auf einen bloßen Verdacht hin sein.
Neugier ist dagegen kein berechtigtes Interesse. Die Mitglieder einer Wohnungseigentümergemeinschaft besitzen daher kein unbeschränktes Einsichtsrecht in die Wohnungs- oder Teileigentumsgrundbuchblätter ihrer Miteigentümer. Zwei oberlandesgerichtliche Entscheidungen (OLG München, 09.10.2015, 34 Wx 184/15; OLG Berlin, 03.04.2014, 1 W 83/14) haben das nochmals deutlich gemacht. In beiden Fällen ging es um Streitigkeiten unter Eigentümern.

Der Wohnungsverwalter hat ebenfalls ein Einsichtsrecht in das Wohnungsgrundbuch, zum Beispiel um bei rückständigen Wohngeldzahlungen die Verfolgung der Ansprüche zu sichern.

„Das Grundbuchamt wägt die Interessen der Eigentümer sorgfältig gegen die derjenigen ab, die Einsicht begehren. Der Antragsteller muss dem Grundbuchamt sachliche Gründe vortragen, welche die Verfolgung unberechtigter Zwecke ausschließen“, ergänzt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter Heidelberg.