Warum die Grunderwerbsteuer reformiert werden muss

Die Reform der Grunderwerbsteuer steht im Mittelpunkt eines Kurzgutachtens des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Ausgangspunkt dieser Untersuchung ist die im europäischen Vergleich außerordentlich niedrige Eigentumsquote in Deutschland. Lediglich 45 Prozent der deutschen Haushalte leben in den eigenen vier Wänden. „Eine höhere Eigentumsquote wäre aber dringend notwendig, weil das Rentenniveau in den kommenden Jahren immer weiter sinkt und die Bürger durch den Erwerb von Immobilien selbst Vorsage für die Absicherung im Alter treffen können“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Das scheitert trotz günstiger Finanzierungsbedingungen aber vor allem an den viel zu hohen Erwerbsnebenkosten, hat das Kölner Institut festgestellt. Einen wesentlichen Anteil daran hat die Grunderwerbssteuer, die in vielen Bundesländern in den vergangenen Jahren deutlich erhöht wurde. Für eine Reform haben die Wissenschaftler drei Vorschläge geprüft: Eine allgemeine Senkung der Grunderwerbsteuer auf 3,5 Prozent, ein allgemeiner Freibetrag von 100.000 Euro und ein Freibetrag von 500.000 Euro für Ersterwerber.
Dies sind die wichtigsten Aussagen der Studie:
• Die Grunderwerbsteuer belastet nicht nur die Wohneigentumsbildung, sondern auch den Neubau, da sowohl der Kauf von Bauland als auch der spätere Verkauf des Grundstücks mit Immobilien besteuert wird.
• Durch die Reformen würde das Aufkommen der Grunderwerbsteuer sinken. Bei dem allgemeinen Freibetrag wären die Einnahmeverluste am größten, bei dem Freibetrag für Ersterwerber am geringsten.
• Bezogen auf das Ziel, die Wohneigentumsbildung zu stärken, ist der Freibetrag für Ersterwerber am effektivsten. Die Entlastung würde in der Spitze bis zu 32.500 Euro betragen.
• Bei einem Freibetrag für Ersterwerber besteht die Gefahr, dass die Bundesländer die Sätze erhöhen, um Ausfälle zu kompensieren.