Vermietung: Position von Mietern überall in Europa verschieden

„In keinem anderen Land Europas – mit Ausnahme der Schweiz – leben so viele Menschen zur Miete wie in Deutschland, nämlich rund die Hälfte der Bevölkerung“, erklärt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Die sogenannte Wohneigentumsquote, also der Anteil der Wohnungseigentümer an allen Bewohnern eines Landes, ist in Kroatien, Norwegen und Spanien am höchsten. Dort verfügen zwischen 80 und fast 90 Prozent über Wohneigentum. Deutschland bietet den Mietern im europäischen Vergleich allerdings besonders sichere Mietbedingungen. Das Mietrecht ist hierzulande trotz aktueller Konflikte bei der Mietpreisbremse ausgewogen. Das kann längst nicht jedes europäische Land von sich behaupten. In England unterzeichnet man beispielsweise einen Mietvertrag meistens nur für sechs Monate, eine Verlängerung liegt im Ermessen des Vermieters. In Osteuropa wird das offizielle Mietrecht wenig genutzt, die meisten Wohnungen werden ohne Verträge unter der Hand vergeben. Der Schwarzmarkt für Wohnungen hat bedrohliche Ausmaße angenommen. In Schweden sind hohe illegale Ablösesummen von bis zu 100.000 Euro für günstige Altverträge verbreitet. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Studie des Zentrums für Europäische Rechtspolitik (ZERP) der Universität Bremen. Obwohl nationale Mietrechte das Leben von ungefähr einem Drittel der europäischen Bürger existentiell betreffen, wurden diese noch nie aus vergleichender europäischer Perspektive analysiert. „Jedes Land hat eigene Regeln und Praktiken im Mietrecht entwickelt – teils legale, teils illegale. Es herrschen vielerorts ‚Wild-West-Verhältnisse‘ auf den Wohnungsmärkten“, erläutert Professor Christoph Schmid. Die Studie kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass eine Harmonisierung des Mietrechts wegen zu unterschiedlicher wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse in den EU-Staaten weder wünschenswert noch realistisch ist.