Unvorbereitet: In Mehrfamilienhäusern fehlen Ladestationen für E-Autos

„Gegenüber anderen europäischen Ländern steht Deutschland bei der Elektromobilität noch fast am Anfang“, stellt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg, fest. Vorreiter Norwegen hat schon vor Jahren die Weichen gestellt: Käufer müssen dort weder die 25 Prozent Mehrwertsteuer noch die sogenannte Anschaffungssteuer bezahlen. Anreize bieten zusätzliche Angebote, zum Beispiel die kostenlose Nutzung von Fähren, Tunnel, Mautstraßen und Busspuren. In Norwegen sind bereits 80 Prozent der verkauften Volkswagen Plug-in-Hybride. Davon ist Deutschland meilenweit entfernt.

„Dem Durchbruch stehen handfeste praktische Gründe entgegen. Es gibt keine vernünftige private Ladeinfrastruktur. Wer will schon 500 Meter oder mehr von der Wohnung zur nächsten Ladestation laufen. Auch Wartezeiten und das unbedingte Wegfahren nach erfolgter Ladung von der öffentlichen Ladestation schrecken ab“, argumentiert Michael Fehr.

Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen, das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Derzeit sind gerade erst rund 35.000 reine E-Autos zugelassen. Zu wenig Ladestellen, zu lange Ladezeiten und zu geringe Reichweiten bremsen das Kaufinteresse. Steuerliche Anreize, Kaufprämien und eine öffentliche Ladeinfrastruktur sollen die Elektromobilität fördern. Entscheidend ist aber, dass es für die mehr als vier Millionen privaten PKW-Stellplätze in oder bei Mehrfamilienhäusern bis heute gar keine Regelungen gibt. Autofahrer wollen ihr Auto am liebsten zu Hause laden wie ein Handy. Die Stromnetze der meisten Mehrfamilienhäuser sind darauf aber nicht ausgelegt, schon gar nicht auf das parallele Laden mehrerer Autos. Auch rechtlich besteht Handlungsbedarf. Die Beschlussfassung in Wohnungseigentümergemeinschaften muss vereinfacht werden, damit die Installation von Ladeeinrichtungen auf dem Grundstück von Wohnanlagen nicht am Veto einzelner Eigentümer scheitert.