Zusammenhang: Mieten und Löhne in Deutschland entwickeln sich parallel

„Die Immobilienwirtschaft ist in den Fokus teils hitziger Diskussionen geraten“, sagt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. „Dazu beigetragen haben neben den steigenden Immobilienpreisen vor allem die hohen Mieten in den großen Städten.“ Gleichzeitig erlebte Deutschland einen Arbeitsmarktboom, der eng verbunden ist mit der Wohnsituation.

Wie Arbeits- und Wohnungsmarkt zusammenhängen, hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln untersucht.  Das Ergebnis ist überraschend: Die Erschwinglichkeit einer Mietwohnung ist nach Berechnungen des Instituts in weiten Teilen Deutschlands nicht gesunken, sondern gestiegen. Um die sogenannte Erschwinglichkeit zu ermitteln, nutzte das Institut den Vergleich zwischen der Veränderung der Bruttolöhne und der Veränderung der Nettokaltmieten. Dabei griffen die Wissenschaftler auf Daten der Bundesagentur für Arbeit für alle Kreise im Zeitraum 2014 bis 2018 zurück sowie auf Daten für die Nettokaltmieten im gleichen Zeitraum, die das F+B Forschungsinstitut ermittelt hat. Zugrunde gelegt wurde die Entwicklung der Neuvertragsmieten – also ein Umzug im jeweiligen Betrachtungsjahr einkalkuliert.

Die Rechnung: In Deutschland ist der Medianbruttolohn im Untersuchungszeitrum um insgesamt 9,4 Prozent gestiegen, die Wiedervertragsmieten stiegen durchschnittlich um 8,5 Prozent. Die Wachstumsdifferenz beträgt 0,9 Prozent. Relativ gesehen ist das Mieten einer Wohnung insgesamt günstiger geworden, die Erschwinglichkeit also gestiegen. Diese Aussage trifft auf etwa zwei Drittel bzw. 269 der 401 untersuchten Kreise zu.

Durchschnittswerte geben jedoch keine Auskunft über die Spitzen- oder Niedrigstwerte in einzelnen Regionen Deutschlands. Dringender politischer Handlungsbedarf besteht weiterhin an den Brennpunkten in attraktiven Städten.