Zinsen: Steigende Verbraucherpreise können die Wende einleiten

„Die von Fachleuten erwartete Zinswende wird sehr wahrscheinlich gravierenden Einfluss auf den Immobilienmarkt haben“, betont Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Denn der Immobilienboom der vergangenen Jahre mit den dynamisch steigenden Preise hat seine Ursache fast ausschließlich in den niedrigen Zinsen.

Die Niedrigzinsphase wirkt von zwei Seiten auf den Immobilienmarkt: Käufer von Immobilien für die eigene Nutzung können die eigenen Wände so günstig finanzieren wie nie zuvor, und Anleger finden in Immobilien derzeit gegenüber anderen Finanzprodukten eine attraktive Geldanlage. „Beide Käufergruppen drängen gleichzeitig in vielen Regionen auf einen viel zu engen Immobilienmarkt, der in den Jahren zuvor wegen mangelnder Chancen weitgehend vernachlässigt worden war – inklusive der Bautätigkeit“, ergänzt Michael Fehr.

Nach knapp zehn dynamischen Jahren flaut die Euphorie jetzt langsam ab. Ökonomen werden pessimistischer, und die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet ein nachlassendes Wachstum der Weltwirtschaft. Das statistische Bundesamt meldet den Anstieg der Inflationsrate, der überwiegend durch teure Mineralölprodukte verursacht wird. Der Verbraucherpreisindex lag im Oktober 2018 um 2,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im Oktober 2018 gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent.

Das alles sind deutliche Signale dafür, dass die regulierenden Eingriffe der Europäischen Zentralbank (EZB) jetzt an ihre Grenze kommen. Einer der Eckpunkte für das Ende der Niedrigzinsphase war eine Inflationsrate von 2,0 Prozent, die ist jetzt erreicht. Die Wende hin zu höheren Zinsen will die EZB aber frühestens im Herbst 2019 einläuten. Zusätzlich heißt es, dass die Zinsen „mindestens über den Sommer 2019“ auf dem aktuellen Niveau bleiben sollen.