Warum die Bauzinsen schon wieder im Rekordtief stecken

„Die Zinsentwicklung steht in direktem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung Europas“, erklärt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. „Diese ist wiederum abhängig von den weltpolitischen Ereignissen.“ Die anhaltende Konjunkturschwäche, eine niedrige Inflation, Handelskonflikte, hohe Verschuldungsquoten und der Brexit sorgen derzeit für Unsicherheit. Immobilien als Wertanlage gelten dagegen als sicherer Hafen.

Kurz vor Ende seiner Amtszeit hat EZB-Präsident Mario Draghi noch einmal auf seine Möglichkeiten hingewiesen. Er zieht die Senkung des Leitzinses und auch eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms in Betracht. Die internationalen Finanzmärkte reagierten heftig. Der amerikanische Präsident beschwerte sich heftig über „unfaire“ Methoden.

Für Immobilienkäufer sind das gute Nachrichten, denn die Baufinanzierungszinsen sinken auf ein neues Rekordtief. Der sogenannte Bestzins für zehnjährige Hypothekendarlehen lag Mitte Juni 2019 bei 0,71 Prozent. Anfang des Jahres sahen die Prognosen noch ganz anders aus. Analysten rechneten eigentlich spätestens ab Herbst 2019 mit steigenden Zinsen. Dieses Szenario ist vorerst verschoben. Solange der Handelskrieg der USA mit weiten Teilen der Welt anhält, schwächelt die Wirtschaft, ist die Inflation niedrig und bleibt die Staatsverschuldung hoch.

Die europäische Notenbank sorgt mit ihrer lockeren Geldpolitik für ein Gegengewicht. Die Zinsen sind jetzt aber bereits so niedrig, dass der noch verbleibende Spielraum begrenzt ist. Bereits Ende Mai erreichten die Bauzinsen zum zweiten Mal in der Geschichte das Rekordtief von 0,68 Prozent. Experten erwarten auch im zweiten Halbjahr 2019 anhaltend niedrige Bauzinsen.

Die aktuelle Zinsentwicklung ist für Immobilienverkäufer und -käufer weiterhin gleichbedeutend mit steigenden Immobilienpreisen. „Wie lange diese Phase noch anhalten wird, ist derzeit ungewiss“, ergänzt Michael Fehr.