Umzug: Speckgürtel und Stadtrand gewinnen an Bedeutung

„Wir verfolgen seit langem die Trends beim Wohnen. Dem Zurück aufs Land in den Achtzigern folgte seit dem Jahrtausendwechsel der Run auf die Großstädte. Jetzt zieht es die Menschen verstärkt an die Stadtränder“, beobachtet Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.

Welche Einflussfaktoren dazu beitragen, hat eine aktuelle Studie von Catella Research untersucht. Danach ist die Urbanisierung nicht gestoppt, sondern verläuft lediglich weniger dynamisch. Die Großstädte verzeichnen weiterhin Bevölkerungsgewinne, die fast überall mit einem Anstieg der Mietpreise einhergehen. Zwischen Randgebieten und dem ländlicheren Umland zeigen sich deutliche Unterschiede. Zukünftig sei davon auszugehen, dass Städte – aber vor allem deren Speckgürtel – am stärksten wachsen werden. Der periphere Raum wird weiterhin Bevölkerungsverluste hinnehmen müssen, stellt Prof. Dr. Thomas Beyerle, Leiter Research Catella Group, fest. 

Alle betrachteten deutschen Großstädte dieser Studie wiesen im Zeitraum zwischen 2010 und 2019 einen deutlichen Anstieg der Bevölkerung auf. Gleichzeitig gewannen die Speckgürtel der Großstädte an Beliebtheit. Daher nahm die Studie auch die jeweils benachbarten Gemeinden genauer unter die Lupe. Dabei ergab sich, dass nicht alle Randbereiche von Großstädten von der Nähe zur Großstadt profitierten.

Die wachsenden Speckgürtel werden entscheidend beeinflusst von den steigenden Miet- und Kaufpreisen der benachbarten Stadt, von der Anbindung des Öffentlichen Personenverkehrs oder der Nähe einer Autobahn. Viele Stadtrandgemeinden haben durch infrastrukturelle Verbesserungen das Pendeln in die Stadt attraktiver gemacht.

Infolge der Corona-Krise sind die eigenen vier Wände und das Wohnen im Randbereich der Städte wichtiger geworden. „Viele Kaufinteressenten wünschen sich jetzt mehr Platz und eine größere Nähe zur Natur“, sagt Michael Fehr.