Trend: Wohin zieht es die Menschen – in die Stadt oder aufs Land?

Weltweit zieht es die Menschen in die Städte, auch in Deutschland. „In unserem Arbeitsbereich rund um Heidelberg beobachten wir schon lange einen Trend zum Wohnen in der Stadt“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.

Alle deutschen Großstädte erleben seit Jahren einen Einwohnerboom. Berlin ist zwischen 2011 und 2017 jedes Jahr um 1,4 Prozent gewachsen, Hamburg und München um mehr als ein Prozent. Für das Bevölkerungswachstum sorgen vor allem junge Inländer und Zuwanderer, die zum Studieren oder Arbeiten in die Städte ziehen. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Aber seit dem Jahr 2014 dreht sich dieser Trend laut Studie um. Immer mehr Menschen ziehen ins Umland. Sie verlassen die Zentren oft mit Beginn der Familiengründung, weil sie sich die hohen Wohnkosten dort nicht mehr leisten können. Vorher waren die Immobilien in den Großstädten vergleichsweise preiswert. Inzwischen gäbe es jedoch kaum günstige Wohnungen oder Häuser in der Stadt.

Beispielhaft für diese Entwicklung seien dicht bebaute Städte. Ländlich geprägte Kreise mit schlechter Infrastruktur profitieren von der neuen Stadtflucht aber kaum. Regionen mit schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und schlechter Breitbandversorgung schrumpfen ungeachtet des Trends weiter, während der Stadtrand und die Speckgürtel von dieser Entwicklung begünstigt sind.

Das ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung bestätigt diese Aussage, ergänzt jedoch, dass die Menschen nicht nur in die Metropolregionen zögen, sondern auch in Mittel- und Kleinstädte in ländlichen Räumen. Die Reurbanisierung bringt aber nicht allen Städten gleichermaßen Vorteile. Auf Kommunen am Rande der Großstädte wirkt sich der sogenannte „Überschwappeffekt“ direkt aus, große Großstädte verlieren dagegen über Suburbanisierungsprozesse Bevölkerung.