Studie: Niedrigzinsen noch bis 2050?

Die Niedrigzinsphase hält jetzt bereits so lange an, dass selbst erfahrene Analysten sich kaum noch Zukunftsprognosen zutrauen. Immer wieder wurden Zinssteigerungen vorhergesagt, die dann doch nicht eintraten. „Zuletzt gaben die Meldungen der Europäischen Zentralbank berechtigten Anlass zu der Annahme, dass im Laufe des Jahres 2019 die Finanzwende eintreten und endgültig Schluss sein werde mit den günstigen Finanzierungsbedingungen“, erklärt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Für Sparer wäre das ein Segen, Immobilienkäufer hätten dagegen das Nachsehen.

Doch laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist das in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. „Ganz im Gegenteil: Niedrige Zinsen werden noch bis zum Jahr 2050 ein Dauerthema sein.“

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei vielen ein Dorn im Auge, berichtet das Institut: Die Gesetzliche Rentenversicherung müsse für angelegtes Geld sogar Zinsen zahlen, anstatt Erträge zu erwirtschaften, Sparer sehen ihr Vermögen dahin schmelzen, Banken klagen über schrumpfende Gewinne.

Aus der IW-Studie geht allerdings hervor, dass schon seit Beginn der 1990er Jahre die inflationsbereinigten Zinsen in allen Industrieländern sinken. Dazu habe die „Sparschwemme“ beigetragen, die auf die Zinsen drückt. Der wichtigste Grund sei jedoch der demografische Wandel. Immer mehr Menschen bereiten sich auf ein langes Leben vor und sparen deshalb mehr als die Generationen vor ihnen. „Dieser demografische Trend lässt sich in den kommenden Jahrzehnten nicht aufhalten“, sagt IW-Ökonom und Studienautor Markus Demary. „Er führt dazu, dass die Zinsen auch in absehbarer Zeit nicht nennenswert steigen.“ Selbst wenn die EZB aus der expansiven Geldpolitik aussteigt, würden sich nach Ansicht des IW-Instituts die Zinsen bis 2025 gerade einmal auf 1,3 Prozent erhöhen.

„Niedrige Zinsen müssen kein Problem sein. Das gilt ganz besonders für Immobilienanleger, die weiterhin günstig finanzieren können und von der Wertsteigerung profitieren“, erklärt Michael Fehr.