Recht: „Unverbaubar“ ist kein sicheres Merkmal

Der weite Blick ins Tal oder die freie Sicht auf den See ist für Immobilieneigentümer, die darüber verfügen, ein wertvolles Gut. „Auch im Wert einer Immobilie schlägt sich ein solcher Vorzug deutlich nieder“, verrät Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Wer mit der schönen Aussicht für ein Angebot werben kann, lockt Liebhaber an, die oft bereit sind, mehr zu bezahlen, sei es für die Miete oder den Kaufpreis. Doch eines muss ganz deutlich gesagt werden: Auf ein schönes Panorama gibt es keine Garantie.

Wer ganz sicher sein will, dass die besondere Aussicht dauerhaft erhalten bleibt, muss sich mit der Geografie befassen. Passt zwischen Grundstück und Seeufer kein weiteres Haus, ist die Sache ziemlich klar. Auch ein hoch am steilen Hang gelegenes Haus überragt vermutlich dauerhaft die darunter liegende Bebauung. Ein benachbartes Landschaftsschutzgebiet oder ein Naturschutzgebiet bietet ebenfalls gute Chancen, dass die Umgebung so bleibt wie sie ist: In einem Landschaftsschutzgebiet ist alles untersagt, was den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen würde. Die Regeln für Naturschutzgebiete sind noch strenger.

Anders sieht es aus, wenn eine Wiese zwischen malerischem Waldrand und privater Terrasse liegt. Diese Erkenntnis kam für einen Immobilieneigentümer in Sachsen zu spät. Als Anwohner wehrte er sich gegen den Bebauungsplan seiner Kommune, die in seiner unmittelbaren Nachbarschaft Flächen für Pflegeeinrichtungen und ein allgemeines Wohngebiet auswies.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die zuständige Kommune immer die Blickbeziehungen zur umgebenden Natur und das Vermeiden einer Beeinträchtigung des Landschaftsbildes betont. Als der Anlieger sich mit diesem Argument nicht durchsetzen konnte, stellte er einen Normenkontrollantrag. Doch das zuständige Oberverwaltungsgericht erkannte keine schutzwürdigen Interessen. Ein unverbauter Blick sei für die Abwägung der Interessen unerheblich (Sächsisches Oberverwaltungsgericht, Az. 1 C 13/17).