Niedrigzinsphase könnte noch Jahrzehnte anhalten

„Die Bundesrepublik und die Europäische Zentralbank zeigen sich stark in der Krise. Sie fluten Deutschland bzw. den Euroraum mit Geld und werden für ihr Handeln von Wirtschaftswissenschaftlern gelobt“, sagt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Dennoch wird die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2020 messbar einbrechen – mit Auswirkungen auf die Zinsentwicklung.

Die seit Jahren anhaltend niedrige Inflation ist unter anderem das Ergebnis der zunehmenden Globalisierung. Durch sie ist der Preiskampf international härter geworden und Unternehmen verzichten teilweise aus Angst vor einem Wettbewerbsnachteil auf Preiserhöhungen. Durch den Lockdown und den starken Konsumeinbruch könnte die Pandemie vorübergehend zu einer leichten Deflation führen. Allerdings spricht viel dafür, dass extreme Verwerfungen der Wirtschaft in Deutschland mit Hilfe der neu beschlossenen politischen Maßnahmen gemildert werden. Das 130 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket der Bundesregierung verfügt über drei tragenden Säulen: die Absicherung der krisenbedingten Risiken, die Stimulierung des Konsums und die Stärkung der Investitionen. Damit besteht jetzt auch eine einmalige Chance, die Wirtschaft umzugestalten. Die Inflation dürfte allerdings wieder anziehen. Ein nachhaltiger Anstieg des Zinsniveaus ist aber dennoch unwahrscheinlich, vermuten Analysten.

Dass auch die Märkte von einem langfristig niedrigen Zinsniveau ausgehen, lässt sich unter anderem an den Konditionen für lange Zinsbindungen ablesen. In der Vergangenheit war die Zinsdifferenz zwischen einer zehn- und zwanzigjährigen Zinsbindung deutlich höher als heute. Aktuell erhalten Kreditnehmer ein Baudarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung ab 0,41 Prozent, bei 15 Jahren sind es 0,52 Prozent und bei 20 Jahren 0,82 Prozent. Erst bei einer Zinsbindung von 25 Jahren steigt der Sollzins über die 1-Prozent-Marke.