Leben in der Stadt oder auf dem Land: Lohnt sich das Pendeln?

„Unsere Kunden fragen sich zunehmend, ob sie die hohen Immobilienpreise in der Stadt bezahlen sollen, oder ob die Alternative – das Leben auf dem Land gerade in der schönen Umgebung von Heidelberg – nicht auch ganz angenehm sein könnte“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.

Seit vielen Jahren zieht es vor allem junge Menschen in die Stadt, weil dort Arbeitsplätze oder besseren Ausbildungsmöglichkeiten, Kultur- und Freizeitangebote locken. Doch das Leben in der Stadt ist teuer und eng geworden, die Luft ist schlecht, es ist laut und hektisch. Reichen diese Gründe, um sich wieder in Richtung Land zu orientieren?

Es klingt allzu verlockend: Auf dem Land gibt es große Wohnungen zu günstigem Preis, Häuser stehen sogar leer und warten auf neue Bewohner. Dem steht die verbreitete Strukturschwäche entgegen – fehlende Verkehrsanbindung, mangelhafte Versorgung mit Läden, Ärzten, Schulen, Kindergärten und vielerorts unzureichende Internetverbindungen.

Wer neuen Wohnraum sucht, sollte die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat am Beispiel Berlin eine Modellrechnung entwickelt und die jährlichen Kosten für das Pendeln beziffert. In der Hauptstadt haben die Quadratmeterpreise für Wohneigentum stark angezogen. Der Quadratmeter Wohnfläche kostete im vergangenen Jahr durchschnittlich 3.676 Euro. Das Umland ist viel günstiger. Aber dafür fallen längere Arbeitswege an, die auch Kosten verursachen. 

Verglichen wurde jeweils der Kauf einer durchschnittlich teuren 70-Quadratmeter-Wohnung in der Stadt und in den Umlandkreisen. In die Rechnung einbezogen wurden die Kosten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für den Arbeitsweg. Daraus ergab sich, dass der Kaufpreisvorteil erst nach 28,9 Jahren aufgebraucht ist, – bei täglicher Fahrt mit dem Auto aber bereits nach 12,0 Jahren. Je länger der Weg, desto schneller schrumpft der Kaufpreisvorteil. Bei  Nutzung des Autos ist der Vorteil sogar noch schneller weg und beträgt in der Musterrechnung nur noch 4,5 Jahre