Landleben rückt wieder mehr in den Fokus

„Wohnen in der Stadt war spätestens seit der Jahrtausendwende ein unumkehrbar scheinender Trend“, weiß Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren zog es überwiegend in die Städte, Ältere eher in ländliche Räume. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung. Wegen der hohen Wohnkosten in den Städten wird das Leben auf dem Land inzwischen aber für immer mehr Menschen wieder attraktiv.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands lebt in ländlichen Räumen. Wegen der wachsenden Bedeutung haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Ländliche Räume mit der Vielfalt der dort liegenden Dörfer, Klein- und Mittelstädte, den verschiedenen Wirtschaftsstrukturen und Landnutzungsmustern beschäftigt. Welche Probleme und Herausforderungen bestehen, dokumentieren sie im aktuellen Themenheft „Ländliche Räume“. Es steht unter www.bpb.de kostenfrei zum Download bereit.

Die Lebensqualität vor Ort hängt in hohem Maße davon ab, welche Einrichtungen des lokalen Bedarfs – vom Kindergarten über den Hausarzt bis hin zur Gemeindeverwaltung – verfügbar sind. Dr. Annett Steinführer betont, wie wichtig die Kenntnis über wirtschaftliche und soziale Umbrüche der letzten Jahrzehnte ist, um die heutigen Strukturen und Pro­bleme vieler Dörfer nachzuvollziehen.

Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Deutschland unterliegen einem rasanten Wandel, der insbesondere auch strukturschwache ländliche Räume vor große Herausforderungen stellt. Das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat hat gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) den Startschuss für die neue Förderinitiative „Heimat 2.0“ gegeben. Im Rahmen des Bundesprogrammes Ländliche Entwicklung soll das Programm in mehreren Modellregionen bis 2023 dazu beitragen, mithilfe digitaler Lösungen die Daseinsvorsorge zu sichern und die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen.