Finanzierung: Politik und Weltwirtschaft beeinflussen die Zinsentwicklung

Forschungsinstitute untersuchen seit langem die Stimmung und das Klima auf den verschiedenen Märkten. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass es nicht immer die harten Fakten sind, die eine Veränderung bewirken. Die vagen Aussagen der Europäische Zentralbank (EZB) gelten inzwischen als Seismograph für die ganze Finanzbranche. „Bislang gibt es von dort keine klaren Signale für eine baldige Erhöhung des Leitzinses. Offenbar liegt die Inflation immer noch nicht im angestrebten Bereich“, erklärt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Das einzige Zeichen für eine straffere Geldpolitik wollen Beobachter an der Sprachregelung und an kleinsten Formulierungsänderungen erkennen können. Daraus ergeben sich zwar keine neuen Fakten, aber das ängstliche Beäugen verbreitet Unsicherheit über die Zinsentwicklung. Noch vermindert die schwache Entwicklung der Inflation den Druck, den Leitzins anzuheben.

Zur Verunsicherung tragen derzeit auch Spekulationen über die Nachfolge des EZB-Vizechefs Mario Draghi, die politischen Turbulenzen in Europa und der Welt bei. Aus Deutschland kommen nach der längsten Periode einer Regierungsbildung jetzt stabilisierende Signale. Aber über den Atlantik schwappen bedrohlich wirkende Wellen in Form von Strafzöllen, die sich auf die Finanzmärkte auswirken werden. Trump schottet Amerika weiter ab, und die Börse reagiert sensibel.

Doch ungeachtet aller dieser Einflüsse tut sich etwas: Die Baufinanzierungszinsen haben leicht angezogen – ohne, dass es dafür einen offensichtlichen Grund gibt. Der Markt nimmt anscheinend bereits Änderungen wahr, Analysten vermuten wohl aus langjähriger Erfahrung ein langsam kommendes Ende der augenblicklichen Wirtschaftslage. Doch derzeit sind die Finanzierungsbedingungen für Immobilieninteressenten immer noch sehr günstig.