Finanzierung: Kreditnehmer gehen höhere Verpflichtungen ein

Die Finanzierungen von Immobilien spiegeln die Situation auf dem Immobilienmarkt wider. Als Fachleute Ende vergangenen Jahres mit einem Anstieg der Zinsen rechneten, stagnierte die durchschnittliche Kreditsumme für Baufinanzierungen vorübergehend auf hohem Niveau. Als sich dann abzeichnete, dass die Zinsen weiterhin sehr niedrig sein würden, stieg die Summe analog zu den Immobilienpreisen wieder.

Immobilienkäufer oder Bauherrn nahmen im März 2019 für den Erwerb einer eigenen Immobilien 5.000 Euro mehr auf als im Vormonat – durchschnittlich 243.000 Euro. Der fremdfinanzierte Anteil am Kaufpreis stieg dabei nicht, sondern verringerte sich sogar leicht auf 83,35 Prozent.

Immobilienkäufern ist die aktuelle Zinssituation deutlich bewusst. Sie sichern sich ihr Darlehen daher für einen sehr langen Zeitraum. Die Zinsfestschreibung beträgt durchschnittlich 14 Jahre und zwei Monate. Die Kreditnehmer nutzen den niedrigen Zinssatz, um schnell zu tilgen. Die anfängliche Tilgung betrug im März durchschnittlich 2,8 Prozent.

In Anbetracht der hohen Mieten und der extrem niedrigen Zinsen stellt sich zunehmend die Frage, ob der Kauf von Immobilien nicht auch ohne Eigenkapital zu hundert Prozent finanziert werden kann. „Wir empfehlen unseren Kunden, dass ihr Eigenkapital die Nebenkosten decken und zusätzlich rund 20 Prozent des Immobilienpreises betragen sollte“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. „Stark steigende Mieten und hohe Nebenkosten machen diese Rechnung aber nicht mehr sofort plausibel“, ergänzt Michael Fehr. „Dennoch spricht vieles gegen die Hundertprozentfinanzierung: Wer kein Eigenkapital in die Finanzierung einbringen will oder kann, erhöht das eigene und das Risiko der Bank. Diese verlangt daher höhere Zinsen, was die Finanzierung insgesamt teurer macht.“