Einfache Rechnung: Darum sind die Wohnungen so knapp

„Eigentlich ist es gar kein Wunder, dass der Wohnungsmarkt so eng ist. Das bestätigen schon wenige Zahlen des statistischen Bundesamtes“, sagt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Ende 2017 gab es in Deutschland knapp 42,0 Millionen Wohnungen. Denen standen 41,3 Privathaushalte gegenüber. Nach Vorausberechnungen wird die Zahl der Privathaushalte bis 2035 auf 43,2 Millionen weiter steigen – nicht nur, weil es mehr Einwohner geben wird, sondern auch, weil die Anzahl der Personen, die einen Haushalt bilden, sinkt. „Immer mehr Menschen wollen allein in einer Wohnung leben“, bestätigt Michael Fehr.

In der Theorie sehen die Zahlen gar nicht so schlecht aus, doch in der Praxis, stehen viele Wohnungen an Orten leer, wo sie nicht gebraucht werden, in Abwanderungsgebieten, die durch Strukturwandel und Demografie entstehen. Gleichzeitig entsprechen viele Wohnungen nicht mehr dem modernen Standard und nicht der Größe des Haushaltes ihrer Bewohner, befinden sich im Umbau oder werden umgewidmet.

Die Wohnungswirtschaft geht davon aus, dass jährlich rund 400.000 Wohnungen neu gebaut werden müssten, damit ein Ausgleich entstehen könnte. Davon sind die Neubauzahlen weit entfernt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Wohnungsbestand 2017 nur um 265.000 Wohnungen oder 0,6 Prozent.

Von Januar bis Juni 2018 wurden in Deutschland 168.500 Wohnungen genehmigt, 960 Baugenehmigungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Wohnungen, die durch Um- und Ausbau an bestehenden Gebäuden entstehen sollen, sank in den ersten sechs Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,9 Prozent. Die Wohnfläche des Wohnungsbestandes vergrößerte sich Ende 2017 gegenüber dem Jahr 2010 um 4,6 Prozent. Die Wohnfläche je Wohnung betrug Ende 2017 durchschnittlich 91,8 Quadratmeter, die Wohnfläche je Einwohner 46,5 Quadratmeter.