BGH-Urteil: Neuer Bodenbelag darf den Trittschall nicht verstärken

„Laute Geräusche zählen neben lästigen Gerüchen zu den unangenehmsten Immissionen. Sie so weit wie möglich zu vermeiden, sollte eigentlich selbstverständlich sein“, meint Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. In diesem Sinne hat kürzlich auch der Bundesgerichtshof (BGH, 26.06.2020, V ZR 173/19) entschieden. Ein Wohnungseigentümer kann die Einhaltung der schallschutztechnischen Mindestanforderungen verlangen, wenn ein Miteigentümer in seiner Wohnung den Bodenbelag ausgetauscht.

Die streitenden Parteien wohnen in einem 1962 gebauten Haus. Die Wohnung des Klägers liegt unterhalb der Dachgeschosswohnung des Beklagten. Dessen Wohnung war 1995 zu Wohnraum ausgebaut und mit Teppichboden ausgestattet worden. 2008 ließ der Bewohner des Dachgeschosses den Teppichboden durch Fliesen ersetzen. Der darunter wohnende Eigentümer fühlte sich danach unzumutbar durch Trittschall belästigt. Ein Gutachten ergab, dass die Trittschalldämmung der Wohnungstrenndecke mit dem Fliesenbelag nicht den schallschutztechnischen Mindestanforderungen entspricht.

Der Bundesgerichtshofs stützt sein Urteil auf § 14 Nr. 1 WEG. Danach ist jeder Wohnungseigentümer verpflichtet, sein Eigentum so zu nutzen, dass keinem anderen über das bei einem geordneten Zusammenleben unvermeidliche Maß hinaus ein Nachteil erwächst. Der untereinander zu gewährende Schallschutz richtet sich nach der DIN 4109. Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn die Trittschalldämmung des Gemeinschaftseigentums mangelhaft ist. Bei Änderung des Bodenbelags muss der Eigentümer darauf achten, dass die Mindestanforderungen eingehalten werden, solange das zumutbar ist. „Die Gemeinschaft ist nicht dazu verpflichtet, das gemeinsame Eigentum so umzubauen, dass der Schallschutz den Anforderungen eines modernen Gebäudes aus einem jüngeren Baujahr entspricht“, ergänzt Michael Fehr.