Sind Einfamilienhäuser in Zukunft noch gefragt?

Einfamilienhäuser bilden in vielen Ländern der Welt die Mehrzahl der Wohngebäude. In Deutschland machen sie rund 66 Prozent des Gebäudebestandes aus. Europaweit wohnten 2011 über 50 Prozent der Bevölkerung in Einfamilienhäusern, in den USA und Japan waren es rund 60 Prozent.
Das Einfamilienhaus gilt vielen Menschen bis heute als Wohnideal. Doch die Urbanisierung verändert die Wohnformen. Ein Gutachten für den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung nennt Zahlen: Zwei bis drei Milliarden Menschen werden in den kommenden Jahrzehnten weltweit vom Land in die Städte übersiedeln. Das ist die größte Migrationsbewegung unserer Zeit. Das Gutachten rät: Statt auf immer mehr Verdichtung sollten Städte auf die Entwicklung in der Region setzen; statt wuchernder Megastädte sollten zahlreiche Mittelzentren entstehen. Für Deutschland ist das nichts Neues. Genau dieses Stadtsystem bestimmt traditionell das Zusammenleben der Menschen seit Jahrhunderten. Aber auch hierzulande schreitet die Urbanisierung voran. Megastädte wie sie in Afrika oder Asien entstehen oder wie Tokio und Mexiko-Stadt mit rund 37 Millionen bzw. rund 24 Millionen Einwohnern wird es jedoch in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geben. Berlin wird nach einer Prognose der Bertelsmann Stiftung von 2015 im Jahr 2030 rund 3,7 Millionen haben.

Dennoch verschieben sich auch in Deutschland die Nutzerpräferenzen. „Der Trend zum Wohnen in der Stadt geht einher mit veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Der eigene Garten macht dann möglicherweise zu viel Arbeit, das eigene Haus bedeutet zu viel Aufwand“, beobachtet Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Wichtiger würden nach seiner Einschätzung eine gute Nahversorgung, das soziale Umfeld und kulturelle Angebote. In Heidelberg waren rund 40 Prozent der 2014 fertiggestellten Wohnungen Ein- und Zweizimmerwohnungen. Auch in dieser Zahl spiegelt sich der Trend zu kleineren Haushalten und neuen Wohnformen.