Prognose: Deutschland braucht 400.000 neue Wohnungen pro Jahr

Dem Immobilienmarkt geht es gut, das gilt vor allem für die attraktiven Groß- und Universitätstädte, in denen der Zuzug groß ist. Doch die „Metropolen haben den Boom verschlafen“, berichtet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). In Deutschland wurden von 2010 bis 2014 rund 310.000 Wohnungen zu wenig gebaut. Die Folgen zeigen sich jetzt überall deutlich. In den kommenden fünf Jahren müssen rund 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden, hat die aktuelle Studie des Pestel-Instituts ergeben. Damit stehe der Wohnungsneubau vor einer enormen Herausforderung. Der Hauptgrund seien die hohen Flüchtlingszahlen, aber auch der bestehende Nachholbedarf, der starke Zuzug in die Städte und die Zuwanderung aus der EU werden als Gründe genannt.
Heidelberg hat einen Nachholbedarf an zusätzlichen Wohnungen aus den Jahren 2010 bis 2014 von 2.576 und einen Bedarf an zusätzlichen Wohneinheiten von 2010 bis 2014 von 5.730. Die Zahl der neu gebauten Wohneinheiten in den Jahren 2010 bis 2014 betrug 3.154. „Diesen Zahlen des IW-Köln ist nichts hinzuzufügen. Sie belegen das enorme Defizit“, ergänzt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.

Der Mietwohnungsbau wurde besonders vernachlässigt. Konkret müssten in Deutschland bis 2020 jährlich rund 140.000 Mietwohnungen mehr als in diesem Jahr gebaut werden – davon 80.000 Sozialwohnungen und 60.000 Wohnungseinheiten im bezahlbaren Wohnungsbau, fordert Verbändebündnis „Sozialer Wohnungsbau“ aus elf Organisationen und Verbänden der deutschen Bau- und Immobilienbranche. Diese Wohnungen fehlten insbesondere in Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten. Der Bund hat jetzt zugesagt, Länder und Kommunen beim Neubau von Wohnungen und bei der Schaffung von Sozialwohnungen mit zusätzlich zwei Milliarden Euro bis 2019 zu unterstützen.