Nomen est omen – oder: Welche Rolle spielt der Name der Straße oder des Quartiers?

Die häufigsten Straßennamen in Deutschland sind Hauptstraße, Schulstraße, Gartenstraße, Bahnhofstraße und Dorfstraße. Ungewöhnlicher sind Straßennamen wie Schulterblatt in Hamburg oder Beamtenlaufbahn in Kiel. In Mannheim tragen die Straßen in der Innenstadt oft gar keine Namen, sondern werden aus einer Kombination von Buchstabe und Zahl benannt. Projektentwickler machen sich die Wirkung von eleganten Namen gerne zu Nutze. Allerdings bemängelt Catella Research die allgemeine Einfallslosigkeit. 102-mal gab es im Namen für exklusive Neubauprojekte das Wort Palais, 58-mal Garten und 38-mal Terrasse. Namen unterstreichen die Individualität und den Unikat-Charakter, sie wirken wertstabilisierend und wertprägend. „Das bei Marketingexperten sogenannte Naming ist in der Immobilienwirtschaft aber noch im Entwicklungsstadium“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Am eindrucksvollsten sind Namen, die eine Geschichte erzählen können. Das ist auch in Heidelberg so: Wer Am Büchsenackerhang spazieren geht, kann seiner Fantasie freien Lauf lassen, ebenso Am Hackteufel. Doch was soll man sich zur Brandywine Road denken oder zur San Juan Hill Street in Heidelberg-Kirchheim? Ob San Juan dort vielleicht etwas mit dem Weiberhelden Don Juan zu tun hat? Kurios und liebenswert wirken auf den Touristen Oberer Fauler Pelz und Unterer Fauler Pelz, während der Unwissende sich auf Gewann Entensee nicht so schnell einen Reim machen kann – „es sei denn, er weiß, dass Gewann in Süddeutschland die übliche Bezeichnung für eine alte Flurform in der Dreifelderwirtschaft war“, ergänzt Michael Fehr.