Niedrigzinsphase neigt sich dem Ende zu

„Fachleute rechnen nicht damit, dass die Zinsen für Immobilienfinanzierungen in diesem Jahr noch einmal das Allzeittief des Jahres 2020 erreichen werden“, sagt Jens Rückert, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Viele Kreditinstitute haben zu Beginn des neuen Jahres die Zinsen für Baufinanzierungen angehoben.

Die Entwicklung der Inflationsrate wirkt zinstreibend und bringt Bewegung in die Kapitalmärkte. Weiter steigende Zinsen könnten die Folge sein. Dafür sprechen mehrere Gründe: Die 10-jährige Bundesanleihe, die in den vergangenen zweieinhalb Jahre negativ verzinst war, könnte im laufenden Jahr wieder positiv vergütet werden. Das wäre zwar gesund für das Wirtschaftssystem, aber preissteigernd für Immobilienfinanzierungen. Die hohen Inflationsraten verstärken den Druck auf die Europäische Zentralbank EZB, ihre Geldpolitik zu überprüfen. Die EZB verhält sich noch abwartend. Sie geht offenbar davon aus, dass die Sondereffekte durch die Pandemie abnehmen werden. Sollte das nicht geschehen, wäre eine restriktivere Geldpolitik fällig, wodurch die Baufinanzierungszinsen steigen würden. Außerdem sollen nach dem Willen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Anforderungen an die Banken in Bezug auf ihre Kapitalpuffer bei Baufinanzierungen erhöht werden.

Bei weiter steigenden Immobilienpreisen und höheren Zinsen für die Finanzierung werden viele Käuferinnen und Käufer in der nächsten Zeit an ihre Belastungsgrenze kommen. Mit drastisch steigenden Zinsen rechnet die Finanzbranche allerdings nicht. Immobilieninteressent:innen sollten ihre Entscheidung nicht unnötig aufschieben, wenn sie jetzt ein geeignetes Haus oder eine passende Wohnung gefunden haben.

Darlehensnehmer versuchen bereits mit einer geringeren Tilgung die monatliche Finanzierungsrate bezahlbar zu halten, erhöhen auf diese Weise aber die Rückzahlungsdauer.

Immobilienverkäufer:innen müssen damit rechnen, dass die Immobilienpreise in Zukunft nicht mehr ganz so schnell steigen wie bisher.