Neu denken: Unsere Städte bauen sich um

Städte erfüllen viele Aufgaben gleichzeitig: Sie bieten Arbeitsplätze, Platz zum Wohnen, sind Ort von Begegnung und Kultur sowie Ausgangspunkt für Mobilität und Entwicklung. „Durch die Pandemie noch beschleunigt zeichnen sich seit einigen Jahren deutliche Veränderungen ab“, stellt Jens Rückert, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg fest.

Ob die Stadt die Ansprüche ihrer Bewohner:innen auch zukünftig noch erfüllen kann, fragen sich derzeit Stadtentwickler und Vertreter aus der Immobilienwirtschaft. Im Jahr 2020 lebten rund 77,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands in Städten. In vielen Bereichen werden die Grenzen des Möglichen sichtbar. Stadtbewohner klagen über Lärm, Schmutz, zu viel Autoverkehr und knappen Wohnraum.

Begriffe wie Smart City, 15-Minuten-Stadt, Urban Gardening und Digitalisierung stammen aus hoffnungsvollen Konzepten, sorgen aber oft für Verunsicherung. Die Nachverdichtung von Städten geht einher mit der Angst vor zu viel Enge, die Digitalisierung ist vielen fremd, das Internet verändert alte Handelskonzepte. Überall ist von Wende die Rede – Energiewende, Verkehrswende, Gebäudewende. Das ist vielen zu viel Veränderung auf einmal.

Dennoch werden Menschen auch in Zukunft bevorzugt in Städten wohnen. Die Urbanisierung schreitet jedoch in den westlichen Ländern nur noch langsam voran – anders als in weiten Teilen Asiens. Dadurch wird Zeit gewonnen, die Städte nutzen können, um sich im Einklang mit den Bewohnern umzubauen. Das betrifft nicht nur Großstädte.

Auch Klein und Mittelstädte bieten eine Fülle an Möglichkeiten, die Stadt gemeinschaftlich zu gestalten. In ländlichen Regionen übernehmen Kleinstädte eine wichtige Versorgungsfunktion für ihr Umland. In verdichteten Räumen entlasten sie die größeren Städte.

In Diskussionen zeichnet sich die Sorge um die Zukunft der Innenstadt ab. Einigkeit herrscht weitgehend darüber, Vielfalt und Multifunktionalität anzustreben. Die Innenstadt soll mehr als Handel bieten, soll lebendiger werden und auch alltäglicher. Die Realisierung setzt allerdings Bezahlbarkeit für alle Einkommensschichten voraus.