Nachbarschaftsrecht: Rücksicht nehmen beim Blumengießen

„Oft beeinflussen die kleinen Dinge des Alltags die Lebensqualität in einer Stadt. Denn auch die Netteste kann nicht in Frieden leben, wenn es der Nachbarin nicht gefällt.“ Mit diesem Zitat frei nach Schiller erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg ein Urteil des Landgerichtes München. Dabei ging es um das getrübte Frühstückvergnügen auf dem Balkon, weil die Nachbarin das Wasser für die Blumen regelmäßig von oben in den Kaffee plätschern ließ. Das kann schon sehr ärgerlich sein. „Grundsätzlich gilt nicht nur für Wohnungseigentümer sondern auch für Mieter: Störungen der Nachbarn über das vermeidbare Maß hinaus sind unzulässig“, ergänzt Michael Fehr. Andererseits gehört Blumengießen zur erlaubten Nutzung eines Balkons, und das Tropfen des Wassers auf den darunter liegenden Balkon lässt sich nicht immer vermeiden. Über diesen Sachverhalt hatten sich zwei Nachbarinnen so heftig zerstritten, dass eine gütliche Einigung nicht mehr möglich war und der Fall gerichtlich geklärt werden musste. Das Ergebnis war wenig überraschend: Wer oben wohnt, muss erst nach unten schauen und sich vergewissern, ob jemand gestört werden könnte, bevor er die Blumen gießt. Notfalls muss das Blumengießen verschoben werden (LG München I, Az. 1 S 1836/13). Das Nachbarschaftsverhältnis scheint aber auch sonst nicht sehr harmonisch gewesen zu sein. Anscheinend pflegte die Blumenliebhaberin nicht nur einen lockeren Umgang mit Wasser, sondern hat auch ein etwas loses Mundwerk. Das Gericht untersagte ihr nämlich in dem selben Urteil, die Nachbarin „dreckige alte Schlampe“ zu nennen.