Modernisiertes WEG-Gesetz:
Mehr Freiheiten für Eigentümer

„Die lange erwartete Reform des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG) trat am 1. Dezember 2020 in Kraft und entfaltet jetzt ihre Wirkung“, erklärt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. In Zukunft ist es leichter, das gemeinschaftliche Eigentum zu renovieren. Verwalter erhalten mehr Befugnisse und Eigentümer mehr Kontrolle.

Das Wohnungseigentumsgesetz stammt aus dem Jahr 1951 und wurde zuletzt 2007 reformiert. Seitdem hat sich für die Eigentümer der rund zehn Millionen Eigentumswohnungen in Deutschland vieles verändert. Dem trägt das neue Gesetz nun Rechnung. Umbauten und Modernisierungen sollen erleichtert werden, etwa im Bereich Barrierefreiheit und energetische Sanierung. Beispielsweise kann der Einbau einer Lade­säule für Elektroautos jetzt auch ohne die Zustimmung aller Miteigentümer erfolgen, wenn der beantragende Eigentümer die Kosten selbst trägt. Die Kosten von Baumaßnahmen tragen nur dann alle gemeinsam, wenn zwei Drittel der Eigentümer und 50 Prozent der Miteigentums­anteilsbesitzer einer Maßnahme zugestimmt haben.

Die Novellierung des Gesetzes stärkt außerdem den Verwaltungsbeirat als Kontrollorgan, das den Verwalter überwacht. Beiräte bekommen mehr Verantwortung. Im Gegenzug erhalten Hausverwalter mehr Kompetenzen und können bestimmte Arbeiten eigenverantwortlich in Auftrag geben. Beschlussfassungen sollen in Zukunft einfacher werden. Seit Ausbruch der Coronapandemie sind jedoch zahlreiche Eigentümerversammlungen ausgefallen. Dringende Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen blieben auf der Strecke. Während der Krise ist viel Flexibilität notwendig. Besondere Zeiten erfordern besondere Regeln: Daher ist während der Pandemie eine Abstimmung auch per Video und unabhängig von der Zahl der Anwesenden möglich. Die spezielle Notfallgesetzgebung bietet darüber hinaus Lösungen für Wirtschaftspläne und Verwalterbestellungen.