Kleinstädte im Fokus des Interesses

„Wir beobachten zunehmend, dass sich das Interesse der Käufer verschiebt“, sagt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. „Die Nachfrage zielt jetzt vermehrt auch auf Kleinstädte.“

Davon gibt es in Deutschland rund 2.100 mit rund 24 Millionen Einwohnern, das ist rund ein Drittel der Bevölkerung. Noch auf Initiative des vorigen Bundesbauministerium und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bekommen die Kleinstädte jetzt auch politisch wieder mehr Aufmerksamkeit. Urbanität ist nicht allein den Großstädten zuschreiben, argumentiert das Institut. Wohn- und Lebensqualität sowie Bürger-Engagement und -beteiligung können sich mit den Großstädten messen, in denen das Leben für viele zu teuer geworden ist.
Um Kleinstädte als attraktive Alternative zum Wohnen, Leben und Arbeiten zu positionieren, müssen sie einen eigenen Weg einschlagen mit lebendigen, vitalen und attraktiven Räumen sowie einer hohen baukulturellen Qualität, zeigt die BBSR-Studie.
Traditionelle Aktivitäten und Engagement der Bewohner prägen die Kleinstädte. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Bürger ihre Stadt in unterschiedlichen Rollen verändern: als Beteiligte, als Engagierte oder als Marktakteure. Sie sorgen schon mit punktuellen Eingriffen in viel höherem Maße als in Groß- und Mittelstädten für eine lebenswerte Stadt, da einzelne Veränderungen hier deutlicher wahrgenommen werden. Weniger Dienstleister und eine weniger stark ausdifferenzierte Verwaltung in Kleinstädten führen zu mehr Selbsthilfe und Selbstsorge.

Besonders im Osten finden nicht alle Städte Antworten auf drängende Fragen oder auf die Heraussforderungen des demografischen Wandels. Sie müssen sich dem Prozess der Schrumpfung stellen. Etwas anderes gilt für Städte im Umfeld von Groß- oder attraktiven Universitätsstädten. Die Kleinstädte der Metropolregion Rhein-Neckar punkten oft mit einer guten eigenen Intrastruktur und einer lebendigen, aktiven Lebenskultur.