Immobilienmarkt: Trendwende oder vorübergehende Beruhigung?

Der Immobilienmarkt wird regelmäßig von verschiedenen Instituten, Internetportalen und dem statistischen Bundesamt beobachtet. Der seit zehn Jahren regelmäßige Aufwärtstrend der Immobilienpreise und Mieten scheint jetzt an Grenzen zu stoßen.

In den Berichten heißt es „Mieten und Kaufpreise steigen zwar noch – aber längst nicht mehr so stark wie früher“, „Wohnungspreise und -mieten entspannen sich“ oder „Preisdynamik für Kaufimmobilien schwächt sich leicht ab“. Die Frage ist, ob sich bereits eine Trendwende am Immobilienmarkt abzeichnet. „Da mag vielfach die Hoffnung die ausgeprägteste Grundlage des Gedankens sein“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.

Eine aktuelle Datenanalyse von ImmoScout24 vergleicht die Entwicklung der Angebotskaufpreise mit den Angebotsmieten über die vergangenen fünf Jahre. Danach sind die Angebotskaufpreise in allen deutschen Städten mit über 100.000 Einwohnern seit 2016 stärker gestiegen als die in der Neuvermietung angebotenen Mietpreise. Allerdings reiche die Entkoppelung der Mieten von den Preisen allein nicht aus, um eine Überhitzung der Märkte zu begründen.

Laut F+B-Wohn-Index Deutschland entspannen sich die Mieten auf breiter Front. Der Preisanstieg für Eigentumswohnungen und Eigenheime sei nahezu gestoppt. Die Wachstumsdynamik habe sich in der Gesamtschau des deutschen Wohnimmobilienmarktes weiter abgeschwächt. Ursachen waren sowohl die deutlich reduzierten Preissteigerungen für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser als auch die Stagnation bei den Angebots- und Bestandsmieten.

Mehrere Faktoren tragen derzeit zu einer gebremsten Entwicklung von Immobilienpreisen und Mieten bei. Dazu zählen die immer noch nicht überwundene Coronapandemie, die nicht mehr wachsenden Einwohnerzahlen in den Großstädten, das gebremste Wirtschaftswachstum, die deutlich anziehende Inflation, zukünftige Belastungen der Immobilieneigentümer durch Klimaschutzmaßnahmen sowie negative Presseberichte über Schwierigkeiten einzelner am Kapitalmarkt orientierter Wohnungsunternehmen. Wie nachhaltig die derzeit gebremste Entwicklung der Immobilienmärkte ist, wird sich voraussichtlich im nächsten Frühjahr zeigen.