Immobilienkauf verlagert sich auf Zweitlagen

„Es ist noch nicht allzu lange her, dass wir unseren Kunden grundsätzlich zum Kauf rieten, wenn die Lage stimmte. Lage-Lage-Lage lautete die gängige Regel, nach der sich hohe Kaufpreise in 1a-Lagen spätestens einige Jahre später als gerechtfertigt erwiesen. Das Lage-Kriterium war gleichbedeutend mit einer sicheren Investition“, berichtet Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Heute lohnt sich der Kauf von Haus oder Wohnung trotz steigender Immobilienpreise oft schon allein wegen der günstigen Finanzierung. Denn Kredite gibt es zu so niedrigen Zinsen wie nie, und dieser Effekt wiegt den Preisanstieg oft mehr als auf. Dennoch gilt zu bedenken: In den begehrten Vierteln vieler Großstädte, in den Gebieten also, die das alte Lage-Kriterium erfüllen, rechnet sich ein Kauf häufig weder für Selbstnutzer noch für Vermieter, weil die Angebote sehr teuer sind. Zu diesem Ergebnis kommt Finanztest und nennt die Preise und Mieten von Wohnungen in 50 Städten und Kreisen. Veröffentlicht ist die Untersuchung auf www.test.de/immobilienpreise.
„Das Lage-Kriterium gilt noch, aber es hat sich verschoben“, sagt Michael Fehr. Wer bei der Suche flexibel ist und eine gute statt eine sehr gute Lage wählt, kann viel Geld sparen. Das gilt bereits in Bremen, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Kiel, Leipzig und Osnabrück. In Hamburg zahlt man 30 bis 50 Prozent weniger, wenn die Lage gut statt sehr gut ist. In Bremen sind es 39 Prozent, in Düsseldorf gut 30 Prozent. Mieten statt kaufen kann in den Regionen der Bundesrepublik, in den die Preise besonders stark gestiegen sind, München und Berlin zum Beispiel, inzwischen sogar attraktiver sein. Insider rechnen damit, dass sich die Käufergunst auf die bisherigen Nebenschauplätze verlagern wird.