Immobilienfinanzierungen extrem verteuert

„Die Folgen der Zinswende machen sich auf dem Immobilienmarkt erst mit Verzögerung bemerkbar“, sagt Michael Neuberger, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Aber die Aktivität im Investmentsektor hat in den letzten Wochen bereits rasant abgenommen. Fachleute prognostizieren eine abflachende Preisentwicklung, aber keinen Verfall der Immobilienpreise.

Schon jetzt zeigt sich: Die Banken verschärfen ihre Kriterien bei der Finanzierung und setzen wegen der steigenden Lebenshaltungskosten aus Sicherheitsgründen ausreichend Eigenkapital voraus.

Immobilienkäufer und -käuferinnen müssen mit deutlich höheren Belastungen rechnen. Den Tilgungssatz zu senken, ist eine Möglichkeit, um die monatliche Rate zu reduzieren – allerdings ist hier Vorsicht geboten: Denn je niedriger die Tilgung ist, desto länger dauert es, bis das Darlehen zurückgezahlt ist. Die anfängliche Tilgung sollte zwischen zwei und drei Prozent betragen – je höher, desto besser.

Der Beleihungsauslauf zeigt an, mit wie viel Fremdkapital eine Immobilie finanziert werden kann. Dieser orientiert sich am Beleihungswert der Immobilie, der nicht identisch ist mit dem Kaufpreis, weil die Institute Sicherheitsabschläge berechnen. Je niedriger der Beleihungswert ist, desto mehr Eigenkapital steckt in der Finanzierung der Immobilie und desto günstiger ist der Zinssatz.

Es lohnt sich, im familiären Umfeld nach Unterstützung zu fragen – zum Beispiel in Form eines privaten Darlehens oder eines vorzeitigen Erbes. Auf diese Weise können Darlehensnehmer die Konditionen ihrer Finanzierung verbessern.

Wie teuer es geworden ist, sich Geld von der Bank zu leihen, zeigt die sogenannte Standardrate. Sie verdeutlicht die Wirkung der jüngsten Zinsänderungen. Die Musterfinanzierung über 300.000 Euro mit zwei Prozent Tilgung, 80 Prozent Beleihungsauslauf und zehn Jahren Zinsbindung ergibt die enorme Steigerung der Standardrate im Mai 2022 auf 1.190 Euro. Im Vorjahresmonat waren es noch 793 Euro gewesen.