Grundsteuer: Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen

„Die Grundsteuer wird auf den Besitz von Grundstücken und Gebäuden erhoben und muss neu geregelt werden“, erklärt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Anders als die einmalig fällige Grunderwerbsteuer zahlen Immobilieneigentümer sie jedes Jahr. Vermieter können die Grundsteuer über die ­Nebenkostenabrechnung auf ihre Mieter umlegen.

Die Grundsteuer ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Kommunen. Sie wurde bisher auf der Basis von Einheitswerten aus dem Jahr 1964 bzw. 1935 berechnet. Diese Praxis hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2018 für verfassungswidrig erklärt.

Die Bundesregierung hat im Jahr 2019 eine Neuregelung beschlossen, das sogenannte Bundesmodell. Danach bleibt die Grundsteuer als Einnahmequelle der Kommunen erhalten. Auch das dreistufe Verfahren aus Bewertung, Steuermessbetrag und kommunalem Hebesatz bleibt bestehen. Die von Kritikern des Modells als viel zu aufwändig befundene Bewertung der Grundstücke nach neuem Recht soll erstmals zum 1. Januar 2022 erfolgen.

Die Bundesländer haben jedoch noch bis zum 31. Dezember 2024 die Möglichkeit, vom Bundesmodell abzuweichen und eigene Regelungen vorzubereiten. Die neuen Regelungen gelten dann ab 1. Januar 2025.

Einige Bundesländer haben inzwischen eigene Modelle entwickelt. In Niedersachsen soll die Grundsteuer nach dem tatsächlichen Wert der Grundstücke berechnet werden, Hessen hat ein Flächen-Faktor-Modell angekündigt, Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland ein modifiziertes Bodenwertmodell verabschiedet, Bayern hat sich für ein eigenes „reines“ Flächenmodell entschieden. Etwa die Hälfte der Bundesländer arbeitet noch an einem Modell. Berlin, Brandenburg, Bremen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen wollen das Bundesmodell übernehmen, teilweise mit einigen Abweichungen.