Grunderwerbsteuer belastet junge Familien

„Die Grunderwerbsteuer ist eine bedeutende Einnahmequelle der Bundesländer“, erklärt Michael Neuberger, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. „Länder mit hohen Immobilienpreisen, zu denen auch Baden-Württemberg gehört, profitieren am meisten.“

Käuferinnen und -käufer zahlen beim Erwerb eines Eigenheims, eines Grundstücks oder einer Eigentumswohnung zusätzlich zum Kaufpreis die Kaufnebenkosten und die Grunderwerbsteuer. Die Höhe der Steuer variiert je nach Bundesland zwischen 3,5 Prozent und 6,5 Prozent vom Kaufpreis. Bei einem Kaufpreis von 300.000 Euro sind das zusätzlich zum Kaufpreis zwischen 10.500 Euro und 19.500 Euro.

Die Länder verbuchen Jahr für Jahr bedeutende Einnahmen. Die meisten Käufe und Verkäufe und damit die höchsten Einnahmen entfallen auf die bevölkerungsreichsten und flächenmäßig größten Länder Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Bundesweit zahlten Kaufende im letzten Jahr rund 18 Mrd. Euro an Grunderwerbsteuer.

Weil die Nebenkosten aus dem Eigenkapital aufzubringen sind, kommen besonders junge Familien schnell an ihre Grenzen. Denn mit den bundesweit gestiegenen Kaufpreise steigt auch die Belastung durch die Grunderwerbsteuer.

Wohnungen und Häuser sind laut ImmoScout24 WohnBarometer allein im ersten Quartal 2022 deutschlandweit um drei bis fünf Prozent gestiegen. Gleichzeitig stiegen die Zinsen von rund einem auf drei Prozent. Das ist der Grund, weshalb die Bundesregierung diese Steuer reformieren möchte. Der Erwerb von selbstgenutztem Eigentum soll unterstützt werden, zum Beispiel durch einen Freibetrag und einen variablen Steuersatz, den die Länder bis auf Null senken können.

Die Grunderwerbsteuer ist in den vergangenen Jahren mehrfach erhöht worden, außer in Bayern und Sachsen. Dort liegt der Steuersatz mit 3,5 Prozent am niedrigsten. Die höchsten Steuersätze mit 6,5 Prozent gelten in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, im Saarland, in Brandenburg und Thüringen. In Baden-Württemberg beträgt die Grunderwerbsteuer fünf Prozent.