Größere Wohnungen dringend gebraucht

„Bei den Neubauzahlen klaffen Ist und Soll auseinander. Neubauten entstehen dort, wo die Bevölkerung gar nicht wächst und zu oft wird am Bedarf vorbei gebaut: Gebraucht werden mehr große, gebaut werden eher kleine Wohnungen“, beobachtet Ralf Heß, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.

Diese Aussage wird gestützt von einer Untersuchung des Forschungsinstitutes empirica für das ZIA-Frühjahrsgutachten. Danach wächst die Nachfrage nach größeren Wohnungen, während beim Neubau eher kleine Wohnungen dominieren.

Die Zahl der großen Haushalte mit drei und mehr Personen ist mit 6,6 Prozent stärker gestiegen als die Zahl kleinerer Haushalte, die sich nur um 3,1 Prozent erhöhte. Der Neubau von Wohnungen konzentrierte sich aber ausschließlich auf kleinere Geschosswohnungen.

Die Folgen spüren besonders einkommensschwache Familien. Mehr als 40 Prozent aller einkommensschwachen Vier-Personen-Mieterhaushalte in Großstädten wohnen auf unter 80 Quadratmeter Wohnfläche, fast 20 Prozent müssen sich sogar mit weniger als 65 Quadratmeter begnügen.

Seit 2014 stagniert die Zahl der Wohnungen mit vier und mehr Räumen, wohingegen die der Wohnungen mit bis zu drei Räumen anstieg. Ein einheitlichen Trend zu kleineren Neubauwohnungen sei nicht zu beobachten, vielmehr sinke der Anteil familiengerechter Wohnungen.

Den Städten sei daher dringend anzuraten, ihre wohnungspolitischen Strategien zu überprüfen und Familien einen sehr viel größeren Stellenwert einräumen, fordert Prof. Dr. Harald Simons, Vorstandsmitglied des Forschungsinstitutes empirica. Es sei weder hinzunehmen, dass Familien die Städte verlassen, noch dass die verbleibenden Familien derart beengt wohnen müssen. In Zeiten von Homeoffice und Homeschooling sei das sozial- und wohnungspolitisch inakzeptabel.

Größere Wohnungen mit mehr Zimmern nützen nicht nur Familien, sondern kommen auch der Entwicklung neuer Wohnformen entgegen.