Finanzierung: Steigen die Zinsen durch höhere Inflation?

„Die Hypothekenzinsen stiegen zuletzt kurzfristig und in begrenztem Rahmen an“, berichtet Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Als Ursache gelten derzeit aufkeimende Inflationsängste. Die Europäische Zentralbank wird nicht müde, zu betonen, dass diese Entwicklung temporär ist.

Die gestiegene Inflationsrate wird als Folge der ausgelaufenen Mehrwertsteuersenkung und der Einführung des CO2-Preises gesehen. Wenn das richtig ist und keine Lohn-Preis-Spirale einsetzt, also sich aufschaukelnde Lohn- und Preiserhöhungen, wird sich die Entwicklung im Frühjahr 2022 wieder beruhigen.

Die Höhe der Darlehen zur Immobilienfinanzierung steigen seit dem Sommer. Dieser Trend wurde im Oktober unterbrochen. Die durchschnittliche Darlehenshöhe fiel im Vergleich zum Vormonat um 4.000 Euro auf 310.000 Euro. Der fremdfinanzierte Anteil des Immobilienwertes sank leicht auf 83,58 Prozent. Das war seit Jahresbeginn der deutlichste Rückgang. Bauherrn und Wohnungskäufer:innen haben erstmals weniger Geld aufgenommen als in den Vormonaten.

Der längerfristige Rückblick zeigt jedoch, dass sich diese Entwicklung weiterhin auf sehr hohem Niveau vollzieht. Vor fünf Jahren lag der Fremdfinanzierungsanteil noch unter 80 Prozent und die durchschnittliche Darlehenssumme unter 200.000 Euro. Die sogenannte Standardrate für ein Darlehen von 150.000 Euro mit zwei Prozent Tilgung, 80 Prozent Beleihungsauslauf und zehn Jahren Zinsbindung lag im Oktober 2021 bei etwas über 400 Euro.

Bauherrn und Immobilienkäufer:innen setzen weiterhin auf Sicherheit. Das drückt sich in einer langen Zinsbindung von derzeit durchschnittlich 13 Jahren und drei Monaten aus sowie in einem hohen Tilgungssatz. Der liegt im empfohlenen Bereich zwischen zwei und drei Prozent. Immobilienkäufer:innen und Bauherren nutzen den günstigen Zinssatz nicht für eine niedrige Rate, sondern streben danach, durch eine hohe anfängliche Tilgung den Darlehensbetrag möglichst schnell zu senken.