Finanzierung: Immobiliendarlehen immer höher

„Seit Jahresbeginn schauen Finanzanalysten gebannt auf die Zinsentwicklung. Sie erwarteten Steigerungen, die aber nur kurzfristig und geringfügig eintraten“, sagt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Obwohl die Inflation zuletzt ungewöhnlich stark gestiegen ist, sprechen viele Faktoren dafür, dass die Zinsen in nächster Zeit nicht sprunghaft steigen werden.

Immobilienkäufer finden für die Finanzierung ihres Hauses oder ihrer Wohnung daher weiterhin gute Bedingungen vor. Wegen der steigenden Immobilienpreise müssen sie aber immer höhere Darlehen aufnehmen.

Die durchschnittliche Summe, die Immobilienkäufer:innen in Deutschland als Fremdkapital benötigen, betrug im August 2021 durchschnittlich rund 312.000 Euro. Vor einem Jahr waren es noch 22.000 Euro weniger.

Ein Darlehen über 150.000 Euro mit zwei Prozent Tilgung, 80 Prozent Beleihungsauslauf und zehn Jahren Zinsbindung kostete im August rund 400 Euro, während es vor zehn Jahren noch über 700 Euro gewesen waren.

Der Anteil des Fremdkapitals bei den Immobilienfinanzierungen ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Das Eigenkapital ist bei steigenden Immobilienpreisen ein entscheidender Faktor. Denn mit den steigenden Preisen erhöhen sich auch die Kaufnebenkosten für Makler, Notar:in und Grunderwerbssteuer. Je nach Bundesland betragen sie zwischen zehn und 15 Prozent des Kaufpreises und sollten aus eigener Tasche bezahlt werden können. Oft ist das Eigenkapital damit zum großen Teil bereits aufgebraucht. In der Folge wächst der Anteil des Fremdkapitals bei der Finanzierung. Dieser spiegelt sich im sogenannten Beleihungsauslauf wider, der in den letzten zwei Jahren häufig jenseits der 84 Prozent-Marke lag.

Viele Käufer entscheiden sich aus Sicherheitsgründen für lange Zinsbindungen. Im August waren es im Schnitt gut 13 Jahre. Sie nehmen dafür etwas höhere Zinsen in Kauf und vermeiden damit das Zinsänderungsrisiko.