Energiesparen in ungewöhnlichen Zeiten

„Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen“, bemerkt Michael Neuberger, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Die alte Bundesregierung wäre vermutlich kaum auf die Idee gekommen, jeden einzelnen Bundesbürger zum Energiesparen aufzufordern. Zu sehr stand die Devise im Vordergrund, dass Konsum der Wirtschaft nützt und ein Kennzeichen von Wohlstand ist.

Das ist jetzt – zumindest in Hinsicht auf den Energieverbrauch – anders. Energiesparen ist das Gebot der Stunde – und zwar für alle. Eine gesetzlich vorgeschriebene Drosselung der Heizungstemperatur für Wohnungen ist jedoch aus Sicht des Deutschen Mieterbundes (DMB) der völlig falsche Weg. Sie treffe besonders diejenigen, die beispielsweise aufgrund ihres Alters oder einer Erkrankung auf höhere Wohnungstemperaturen angewiesen seien. Nach wie vor tragen diejenigen die meisten Energiekosten, die in den Häusern mit dem schlechtesten energetischen Zustand wohnen, betont der Deutsche Mieterbund.

Der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland hält dagegen den Vorschlag, die Mindesttemperatur abzusenken, für sinnvoll. Man müsse sich jetzt auf alle Eventualitäten vorbereiten. Ein Grad weniger Raumtemperatur bedeute sieben Prozent weniger Energieverbrauch. Alle Verbraucher, ob Mieter oder selbstnutzende Eigentümer, sind aufgefordert, ihr Heizverhalten zu optimieren.

Baden-Württemberg muss schneller raus aus den Fossilen bei der Wärmeversorgung. Wohngebäude im Land werden noch zu mehr als drei Vierteln mit Heizöl und Erdgas beheizt: 43 Prozent nutzen Gas, etwa ein Drittel Öl. Wärmenetze hängen oft noch an Kohlekraftwerken.

Immerhin geht es voran: In 50,6 Prozent der im Jahr 2021 fertiggestellten Wohngebäude in Deutschland wurden bereits Wärmepumpen als primäre Heizung eingebaut. 2015 hatte der Anteil noch bei 31,4 Prozent gelegen. Gasheizungen kommen immer seltener zum Einsatz: Sie werden in 34,3 Prozent der Neubauten als primäre Heizung genutzt, 2015 lag der Anteil noch bei 51,5 Prozent. Insgesamt stieg der Anteil erneuerbarer Energien als Heizenergiequelle zwischen 2015 und 2021 von 61,5 auf 70,7 Prozent.