Elektromobilität: Immobilienwirtschaft muss handeln

Die Energiewende ist ein ehrgeiziges Ziel der Bundesregierung. Daher fördert sie die Forschung und Entwicklung neuer Fahrzeuge, die Strom als Energieträger nutzen. Umweltbewusste Bürger, die sich ein Elektrofahrzeug kaufen, werden mit 4.000 Euro Kaufprämie gefördert und sind für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Um die Wende voranzubringen, sollen Energiewirtschaft und Verkehr enger verknüpft werden. Von den Änderungen betroffen sind aber nicht nur der Energiesektor, die Autoindustrie und die Verkehrsplanung. Die noch sehr zögerliche Nachfrage nach Elektromobilien liegt auch daran, dass die Folgen für die Immobilienwirtschaft bislang nicht bedacht wurden. Mieter und Immobilieneigentümer werden ihre Fahrzeuge vermutlich nicht irgendwo in der Stadt an eine Ladesäule hängen wollen, sondern möchten die Akkus bequem über Nacht zu Hause in der Garage oder auf dem eigenen Parkplatz auftanken. „Das scheitert aber heute noch weitgehend daran, dass es dort sehr oft gar keine Steckdosen gibt, die geeignet und sicher wären“, erklärt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Bei normalen Steckdosen kann der Dauerbetrieb zur Überlastung der elektrischen Anlage führen und die Brandgefahr erhöhen. Für ein schnelles, sicheres Aufladen gibt es Wandladestationen mit Drehstromanschluss. Der technischen Umrüstung stehen aber rechtliche Bedenken im Wege. Wohnungseigentümer brauchen bislang einen Mehrheitsbeschluss, sogar wenn sie den Anschluss auf eigene Kosten installieren wollen. Das hat erst kürzlich das Landgericht München (Az. 36 S 2041/15) entschieden. Allerdings hat der Bundesrat bereits einen Gesetzantrag zur Änderung des Wohnungseigentumsgesetzes beschlossen, nach der Ladestationen künftig ohne Zustimmung der Gemeinschaft eingebaut werden dürfen; es gibt jedoch noch keine einheitliche Rechtsauffassung dazu. „Die Aufrüstung der vielen Millionen Garagenhöfe, Tiefgaragen und Carport-Stellplätze mit Steckdosen wird Immobilieneigentümer und Immobilienwirtschaft wohl noch eine Weile beschäftigen“, ergänzt Michael Fehr.