Eigenbedarf: Wann Mieter ausziehen müssen

„In Deutschland leben mehr Menschen zur Miete als in jedem anderen europäischen Land mit Ausnahme der Schweiz – oder anders herum: 54 Prozent aller Wohnungen sind laut Datenreport 2016 des statistischen Bundesamtes vermietet“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Das ist mit ein Grund dafür, dass die Mietgesetze in jahrzehntelanger Praxis immer wieder angepasst wurden und überwiegend mieterfreundlich sind, schließlich ist Wohnen ein Grundbedürfnis.
„Kein Mieter ist der Willkür seines Vermieters ausgesetzt, aber wenn der Vermieter seine Wohnung selbst braucht, müssen Mieter ausziehen“, ergänzt Michael Fehr. Nur in besonderen Härtefällen können sie der Kündigung widersprechen. Chancen zu bleiben haben vor allem alte oder kranke Menschen, die schon lange in der Wohnung leben. In vielen Großstädten kann den Mietern erst nach mehreren Jahren wegen Eigenbedarfs gekündigt werden – und zwar dann, wenn die Wohnung erst nach Abschluss des Mietvertrags in eine Eigentumswohnung umgewandelt wurde. Die Zeitschrift Finanztest beschreibt in der September-Ausgabe 2016 welche Rechte für Mieter und Vermieter gelten, siehe auch www.test.de/eigenbedarf.
Eigentümer dürfen Mietern kündigen, wenn sie eine Wohnung für sich, ihre Familie oder nahe Verwandte brauchen. Dazu zählen auch Nichten und Neffen, Stiefkinder oder Schwiegereltern. Zulässig ist eine Kündigung zudem, wenn Eigentümer oder deren Angehörige eine Wohnung als Praxis, Kanzlei oder in anderer Weise gewerblich nutzen wollen. Auch Wohnungsbedarf für Haushaltshilfen und Pflegepersonal kann Grund für eine Kündigung sein. Sogar wenn der Vermieter in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt, darf er seinen Mietern kündigen, wenn er dadurch beim Verkauf der Immobilie einen viel höheren Preis erzielen kann.