Digitalisierung revolutioniert das Bauen: 3D-Brille und Tablet auf der Baustelle

“Der Zollstock hat bei der Ausmessung einer Wohnung zur Ermittlung der Wohnfläche bei uns schon lange ausgedient. Längst stehen Laser-Messgeräte zur Verfügung, die nicht nur genauer sondern auch bequemer sind“, erläutert Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Auch auf der Baustelle schreitet die Digitalisierung mit rasantem Tempo voran. 3D-Brille und Tablet werden in naher Zukunft genauso zu Baustellen gehören wie Bauhelm und Bagger. „Die Revolution im Bauwesen ist im vollen Gange und lässt sich nicht mehr aufhalten“, sagt Prof. Dr. Uwe Rickers, Professor an der Hochschule Konstanz. Er spricht sogar von 5D und meint damit, dass neben einem dreidimensionalen Entwurf von Planungsbeginn an weitere Dimensionen zur Verfügung stehen werden, zum Beispiel Zeit und Kosten. „Built digital first“ lautet daher auch eine Forderung der Lake Constance 5D-Konferenz. Das geht so: Das Building-Information-Modeling (BIM/Gebäudedatenmodellierung) simuliert den Bau von der Idee bis zur Inbetriebnahme digital. Die digitale Planung liefert eine synchronisierte Datenbasis, die alle Abläufe und Teilaspekte verbindet und auf die alle am Projekt Beteiligten zugreifen können. Alle Informationen werden transparent vernetzt. Dadurch werden die Auswirkungen einer Änderung während der Planungs- oder Bauphase auf andere Teilbereiche sichtbar. Bauherrn erhalten in einem noch nie da gewesenen Maß einen Überblick über Zeitpläne, Kosten und Risiken. Gerade haben Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum ein Großprojekt für den Bau von Bundesfernstraßen und Bundeswasserstraßen gestartet, das die Einführung von digitalem Planen und Bauen in Deutschland vorbereiten soll. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert das Vorhaben mit zwei Millionen Euro bis Ende 2018.