Zahlen: Baugenehmigungen zu niedrig, Bautätigkeit zu gering

Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Deutschland 7,3 Prozent weniger Baugenehmigungen erteilt als in den ersten sechs Monaten 2016. Damit bestätigt sich ein weiteres Mal der Trend, der sich schon in den ersten Monaten dieses Jahres abzeichnete. „Diese Zahlen sind besorgniserregend, denn Immobilienverbände und Mieterbund fordern eine Neubauquote von bundesweit 400.000 neuen Wohnungen jedes Jahr, damit der Bedarf gedeckt werden kann“, sagt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Dieses Ziel wird auch in diesem Jahr nicht mehr zu erreichen sein – 169.500 Genehmigungen im ersten Halbjahr sind einfach zu wenig.

Die Zahlen sind nicht differenziert genug, bemängelt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Aus der Gegenüberstellung von Bautätigkeit, Bevölkerungsentwicklung und leerstehendem Wohnraum ergeben sich bemerkenswerte Schlussfolgerungen. Danach wurden in 265 der 402 untersuchen Landkreise und kreisfreien Städte in den Jahren von 2011 bis 2015 sogar zu viele Wohnungen und Häuser gebaut. Die Städte kommen dagegen mit dem Bauen nicht hinterher. Berlin ist mit 57.500 Wohnungen im Rückstand. Das weniger als halb so viele Einwohner zählende München steht mit 36.400 fehlenden Wohnungen noch schlechter da. Freiburg begegnet der beträchtlichen Wohnungsknappheit mit dem Bau eines ganz neuen Stadtteils, der Platz für 12.500 Menschen bietet. In Heidelberg entstehen in der Bahnstadt dringend benötigte Wohnungen für 6.000 Menschen. Im Gegensatz dazu werden im ländlichen Norden mehr Eigenheime auf der grünen Wiese gebaut als nötig wären. Auch in Städten wie Essen, Dortmund und Mönchengladbach wurde über den Bedarf hinaus gebaut.

Diese Verschiebungen werden sich in der zukünftigen Entwicklung der Immobilienpreise spiegeln. In der Realität spielen die zu niedrigen Baugenehmigungszahlen erst mit Verzögerung eine Rolle: Die Umsätze im Bauhauptgewerbe lagen im Mai noch um 12,8 Prozent höher als im Vormonat. Für eine ausreichende Wohnversorgung und für die zukünftige Preisentwicklung ist entscheidend, wo gebaut wird.