WEG-Recht: Gemeinschaftseigentum bleibt Gemeinschaftseigentum

Was könnte für einen Ausbau verlockender sein als ein ungenutzter Dachboden genau über der eigenen Wohnung? Schließlich ist Wohnraum in großen Städten knapp und teuer. Der hinzu gewonnene, ausgebaute Raum lässt sich bequem mit einer Treppe erschließen und macht aus der Etagen- eine attraktive Maisonette-Wohnung.

Das dachte sich auch ein Wohnungseigentümer in Hinblick auf einen im Gemeinschaftseigentum stehenden Dachboden. Er veranlasste umfangreiche Umbaumaßnahmen auf eigene Kosten und hatte die Rechnung ohne die Miteigentümer der Wohnungseigentümergemeinschaft gemacht. Diese war nämlich nicht bereit, einer Änderung der Teilungserklärung zuzustimmen und aus dem Gemeinschaftseigentum Sondereigentum zu machen. Weil keine Einigung gefunden werden konnte, blieb es bei der ursprünglichen sachenrechtlichen Zuordnung.

„Es kam zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem zu erwartenden Ergebnis, dass Gemeinschaftseigentum auch dann Gemeinschaftseigentum bleibt, wenn ein einzelner Eigentümer daran erhebliche Umbaumaßnahmen vornimmt“, erklärt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg.

Das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG Frankfurt, 08.03.2016, 6 U 23/15) entschied, dass durch den Umbau wiederum Gemeinschaftseigentum entstanden ist, dass aber ein Sondernutzungsrecht für diese Fläche begründet werden kann. Dieses Recht ist verbunden mit der Pflicht der Kosten- und Lastentragung, insbesondere der ordnungsgemäßen Unterhaltung, Instandhaltung und Instandsetzung auf eigene Rechnung.

Wohnungseigentümern, die den Ausbau eines Dachgeschosses in Erwägung ziehen, ist dringend zu raten, die Neuordnung von Gemeinschafts- und Sondereigentum vor Beginn der Baumaßnahme verbindlich mit der Gemeinschaft zu regeln. „Die Zuordnung des neu gewonnen Raums zum Sondereigentum kann nur durch die Änderung der Teilungserklärung erfolgen“, ergänzt Michael Fehr.