Finanzierung: Alle starren auf die Zinsen wie das Kaninchen auf die Schlange

„Die niedrigen Zinsen gelten schon fast als selbstverständlich, doch langjährige Marktbeobachter erinnern sich noch sehr gut an ganz andere Zeiten und nehmen kleinste Veränderungen aufmerksam wahr“, weiß Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Das sogenannte Zinsbarometer, das die Beurteilung von 120 Experten spiegelt, zeigt noch einen ausgeglichenen Markt an. Für die zukünftige Zinsentwicklung sind jedoch die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank entscheidend, deren Chef mit einigen Äußerungen gerade für Unruhe gesorgt hat. Die Rufe nach Zinserhöhung und dem Stopp des Anleihekaufprogramms werden lauter. Das ist alles Psychologie, vermuten einige Fachleute, denn fundamentale, wirtschaftliche Veränderungen gäbe es bislang nicht. Dennoch steigt die Erwartung einer Zinserhöhung. DIE WELT geht sogar davon aus, dass die „Zinsfalle bei Immobilien“ bald „zuschnappen“ könnte. Das Forschungsinstitut empirica hält den aktuellen Anstieg zwar für gering, er könne aber auch „der berühmte Anfang vom Ende“ sein.

Die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen sind nur sinnvoll, solange die Konjunktur schwächelt und die Inflation niedrig ist. Steigende Preise, eine wachsende Wirtschaft und geklärte Verhältnisse nach der Bundestagswahl könnten die Hypothekenzinsen aber bald steigen lassen. Wer über ein Darlehen verfügt, das bald ausläuft oder wessen Hypothekendarlehen bereits länger als zehn Jahre läuft, ist gut beraten, die Anschlussfinanzierung auf den Weg zu bringen. Möglicherweise kommt auch ein Forward-Darlehen in Frage, das die niedrigen Zinsen sichert und erst in zwei, drei oder vier Jahren die Restschuld des bestehenden Darlehens ablöst. Forward-Darlehen sind teurer, können sich aber je nach Höhe der vermuteten Zinssteigerungen lohnen.