Analyse: Wohnungsbedarf und Bautätigkeit stimmen nicht überein

„Die Verwerfungen auf dem Immobilienmarkt werden hitzig diskutiert. In den Boomregionen der Bundesrepublik ist der Wohnungsmarkt außerordentlich eng, während auf dem Land Häuser leer stehen. Das trifft in Teilen auch auf die Region Heidelberg zu“, bestätigt Michael Fehr, Geschäftsführer von Immobilien Winter in Heidelberg. Mit den Ursachen dieser Entwicklung hat sich das Institut der deutschen Wirtschaft Köln beschäftigt. Laut dieser aktuellen Analyse liegt der Bedarf in den meisten Groß- und Universitätsstädten über dem Volumen der Bautätigkeit. „Bei Betrachtung der Lage in den einzelnen Kreisen erhält man ein anderes Bild. In vielen ländlichen Kreisen ist deutlich mehr gebaut worden, als nötig gewesen wäre“, teilt das Institut mit. Insgesamt seien in den ländlichen Kreisen 20 Prozent mehr Wohnungen entstanden als benötigt werden. Bei den Einfamilienhäusern sind es sogar mehr als doppelt so viele. Zu dieser Entwicklung tragen die niedrigen Zinsen bei, die den Kauf oder Bau einer Immobilie attraktiv machen. Zwar stiegen auch die Baukosten, aber der Zinseffekt der letzten Jahre wirkt sich stärker aus. Bei der Betrachtung der Gesamtkosten fällt ins Gewicht, dass in den ländlichen Räumen Bauland reichlich vorhanden und daher günstiger ist als in der Stadt – was den Neubau nahelegt. Weil aber die Bevölkerung auf dem Land gleichzeitig schrumpft, entstehen neue Leerstände, veröden Dorfzentren, droht Zersiedelung. Das ist eine Fehlentwicklung. Das Institut der deutschen Wirtschaft empfiehlt Kommunen mit rückläufiger Bevölkerung, die Innenentwicklung zu fördern, keine neuen Bauflächen mehr auszuweisen, Neubauten nur zuzulassen, wenn gleichzeitig Leerstand beseitigt wird. Das sind drastische Maßnahmen, die den Menschen auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum nicht sofort einleuchten werden. „Junge Familien orientieren sich gerade um, kehren der teuren Stadt vermehrt den Rücken und wollen sich der Macht des Marktes nicht unterwerfen, wenn dadurch die Lebensqualität leidet. Umdenken ist jetzt in viel größerem Umfang notwendig als bislang angenommen“, ergänzt Michael Fehr abschließend.